Bärlauch, erster Kraftspender im Frühling

der Bärlauch, Allium ursinum

Weitere Namen: Wilder Knoblauch, Bärenkraut, Hexenzwiebel

 

Pflanzenart: Amaryllisgewächse

 

Blütezeit: April bis Juni

Sammelzeit: die Blätter am besten vor der Blüte von Mitte März bis April, 

die Zwiebeln im Sommer von den abgestorbenen Pflanzen

 

Inhaltsstoffe: 

·      Vitamin: C, A, B1 (Thiamin, B2 (Riboflavin), B3 (Niacin), B5 (Panthoensäure), B6, B7 (Biotin), B9 (Folsäure), E

·      Calcium, Kalium, Magnesium, Eisen, Mangan, Phosphor

·      Allicin, Alliin, Methyl-L-Cysteinsulfat

 

Wirkung: entgiftend, verdauungsfördernd, blutdrucksenkend, immunstärkend, Cholesterin senkend, gefäßschützend

 

Heilanwendung: durch Tinkturen oder Frischpresssaft (bitte nicht einfrieren – so verliert der Bärlauch seine Inhaltsstoffe)

 

!!!Achtung!!! Verwechslungsgefahr: Maiglöckchen, Herbstzeitlose

Bärlauch hat eine glänzende Blattunterseite, große, ovale Blätter und zeichnet sich durch seinen starken Geruch nach Knoblauch aus. 

 

Wie kommt dieses wunderbare Kraut zu seinem Namen?

Früher wurde angeblich oft beobachtet, wie die noch müden, aus ihrem Winterschlaf erwachenden Bären, sich nach dem langen Ruhen, träge und hungrig über dieses wunderbare, magische Kraut hermachten. Die Vorstellung hat etwas Amüsantes. Man stelle sich dieses große und starke Tier vor, hungrig nach der langen Phase des Ruhens…und dann sitzt er da, umgeben von den noch jungen grünen Blättern und verspeist diese genüsslich als erste Mahlzeit nach seinem langen Schlaf. 

Dies leitete den Menschen zu dem Glauben, dass der Bär seine großen Kräfte durch dieses feine Kraut verliehen bekommt und so entstand schließlich der heute so bekannte Name dieses Heilkrauts, welche auch uns Bärenkräfte verleihen soll. Wenn man den hohen Gehalt an Vitamin C darin bedenkt, ist diese Vorstellung leicht nachvollziehbar, nachdem der Mensch sich in früheren Zeiten über den Winter nur sehr karg ernähren konnte.

 

Der Bärlauch als Heilpflanze und seine Magie:

Die frischen Blätter des Bärlauchs enthalten Allicin, Alliin und Methyl-L-Cysteinsulfoxid. Diese schwefelartigen Aminosäuren entfalten ihre Magie durch Biochemie, die sich zuerst einmal durch den starken Knoblauchgeruch bemerkbar macht. Schwefel wirkt entgiftend und wird zum Aufbau zahlreicher Enzyme benötigt. 

Nicht nur der strake, knoblauchartige Geruch ähnelt dem Knoblauch – auch seine magische Wirkung dient einem ähnlichen Zweck: seit dem Mittelalter soll er zur Vertreibung böser Kräfte dienen. Darunter auch Vampire und Blutsauger aller Art. So wie er in diesem Fall unser Blut schützen soll, hat er auch medizinisch gesehen wunderbare Wirkung auf unseren Blutdruck: er wirkt blutdrucksenkend, ein Antihypertonikum also.  Diese Wirkung ist stärker noch als bei Knoblauch (nebenbei ist dieses heimische Kraut auch bekömmlicher als der aus China stammende Knoblauch, der für manche Menschen nur schwer verdaulich ist). 

Diese Form der Magie verdanken wir unter Anderem dem hohen Gehalt an Kalium im Bärlauch. Außerdem ist er ein sogenannter Antiarteriosklerotikum. Das bedeutet er verhindert die Verkalkung unserer Arterien, da er bei längerer Einnahme hilft, Cholesterinablagerungen abzubauen und den LDL-Cholesterinspiegel zu senken.

Seine organischen, schwefelhaltigen Verbindungen – das Aliin, zu Allicin umgewandelt – reinigt auch das Blut und senkt den Cholesterinspiegel. So wie er schon seit Jahrhunderten Blutsauger vertrieb, vertreibt er außerdem als natürliches Antibiotikum viele Arten von Bakterien und wirkt auch noch antimykotisch, also gegen Pilze. Mittels Zink und Mangan stärkt er das Immunsystem. Er ist ein wunderbares Antioxidans und kurbelt außerdem den Stoffwechsel an. In der Volksmedizin wird er sehr gerne bei Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt.

Seine Magie zeigt er auch in der Liebe: 

Die Römer weihten in ihrer Göttin Ceres, die Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit. Ganz im Sinne der Fruchtbarkeit wurde aus seinem Presssaft ein Liebestrank gebraut, der die Potenz unterstützen sollte. Wie passend das auch der Bär, der diesem wunderbaren Kraut einen seiner Namen verlieh, das Fruchtbarkeitssymbol der alten Germanen war. Und wann zeigt sich die Fruchtbarkeit der Natur besser als im Frühling, wenn alles aus dem langen Winterschlaf erwacht und zum Sprießen beginnt? Wie schön, dass der Bärlauch hier zu den ersten Boten des nahrhaften und fruchtbaren neuen Jahrs zählt!

 

 

Was wir vom Bärlauch lernen können

Ich sehe ja in der Natur oft Gleichnisse zu unseren Leben. Wie sollte es auch anders sein? Sind und bleiben wir als Menschen doch immer Teil dieser wunderbaren und magischen Natur und ihrer Gesetze.

Spannend ist die Vorstellung vom Bären. Dieser musst lange Ruhen, der Winterschlaf zehrt an den Kräften. Sobald die richtige Zeit allerdings gekommen ist, erwacht er und stärkt sich erneut. So wie die Natur überall ihre Zyklen hat, in denen sich Ruhe, Erwachen und Wachstum abwechseln, so ist auch der Mensch ein zyklisches Wesen. Angefangen beim Lebenszyklus ganz allgemein, über den Monatszyklus bei Frauen und etwas weniger offensichtlich auch beim Mann, bis hin zu unseren ganz einfachen Schlaf-Wach-Rhythmus. Ähnlich verhält es sich mit unserem mentalen Zustand. Immer wieder wechseln sich Phasen des Schaffens und des Ruhens ab, immer wieder wechseln verschiedene Gefühle einander ab: Gefühle, die uns entweder bestärken und laut machen oder Gefühle, die uns nachdenklich machen und uns zum vorübergehenden Rückzug auffordern. 

Doch warum immer dieses Auf und Ab?

Alfred Adler beschreibt den Segen von herausfordernden Zeiten, also sozusagen vom Winter, auf folgende Weise: 

„Wäre die lebendige Zelle, gleichgültig woher sie gekommen ist, in ein ideales Milieu gesetzt gewesen, das ihr mühelos die ewige Selbsterhaltung garantiert hätte [], so wäre sie sich stets gleichgeblieben.“ (Adler, 2008, S.46).

Danach argumentiert er die Vielseitigkeit des Lebens durch die Anpassungen von Zellen an die verschiedenen Herausforderungen und auch der Mensch selbst wächst an diesen und entwickelt sich. Natürlich gibt es Schicksalsschläge, die so hart zu sein scheinen, dass die Überwindung schier unmöglich wirkt. Der menschliche Geist jedoch ist zu Wunderbarem fähig und es gibt immer die Möglichkeit zur Hilfe auf verschiedensten Ebenen. Sowie die Natur uns nach dem Winter mit seinen frühen Kraftspendern wieder zu neuen Kräften verhelfen will, kann auch der Mensch auf verschiedenste Wege neue Kräfte schüren. Jeder, der selbst schon einmal im Wald war, um Bärlauch zu sammeln, wird von der Fülle berichten können, in der er sich uns präsentiert. Ein grünes Meer von Gesundheit und Kraft, von dem für alle genug da ist. Diese Fülle, die uns nach den kalten Monaten so plötzlich präsentiert wird, ist kein Zufall der Natur. Nach Ruhe folgt die Kraft, wenn wir uns erlauben, unseren natürlichen Zyklen zu folgen. 

 

 

Literaturverzeichnis:

ADLER A (2008): Der Sinn des Lebens. Anaconda, München